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Neue Birkenstocksandalen für Nazis?

2. 10. 2009 >> Die NPD – eine Partei für Umweltschutz? Rechtsextreme versuchen mit ökologischen Themen zu werben und ihre Partei in ein neues Licht zu rücken. Dazu verwenden sie Angelegenheiten des Tier- und Umweltschutzes um diese mit ihren menschenverachtenden Ideologien zu verbinden. Ein Artikel von Vito und Fred

Mit eigenen Umweltzeitungen wie den Magazinen „Fallen Rain“ und „Umwelt&Aktiv“ versuchen Neonazis Naturschutz für sich zu beanspruchen. Ökopolitische Themen wie Umweltschutz und Tierschutz fallen unter einen neuen Begriff, dem so genannten Heimatschutz.
Unter dem Deckmantel des Tierschutzes kritisieren Nazis religiöse Schlachtverfahren, verbreiten dabei jedoch lediglich antisemitische und antiislamische Parolen, eine problemorientierte Auseinandersetzung mit dem Thema Tierrechte findet nicht statt. Offensichtlich bedeutet für sie Tierschutz nicht mehr als die Verbreitung nationalistischer Propaganda.
Es gibt sogar eine Arbeitsgemeinschaft Tierrechte bei den „Nationalen Sozialisten“. Diese selbsternannten TierrechtlerInnen vertreten nichts von den emanzipatorischen Ideen, die hinter der Theorie der Tierrechte stehen.
Die Grundlage der Tierrechte richtet sich ebenso gegen Faschismus, Rassismus, Sexismus und „nationales“ Denken. Ohne eine eindeutige Antifaschistische Gesinnung ist der Gedanke der Tierrechte nicht denkbar. Wie sollen Rechtsextreme für eine gleichberechtigte Behandlung von Tier und Mensch eintreten, wenn sie Menschen in „Rassen“ einteilen und unterdrücken?
Nicht anders verhält es sich mit ihrer Kritik an Gentechnik in der Landwirtschaft. Viele Umweltschutzgruppen lehnen diese aus verschiedenen Gründen ab: sie kann beispielsweise verheerende Auswirkungen auf das Ökosystem und gesundheitliche Auswirkungen auf die KonsumentInnen haben.
Auch Rechtsextreme vertreten eine Ablehnung von Gentechnik im Anbau von Pflanzen. So wird vordergründig der Schutz der Gesundheit propagiert und vor den Risiken der Gentechnik gewarnt, während eigentlich die Abhängigkeit der deutschen Bauern von „imperialistischen“ Saatgutkonzernen angeprangert wird. Anderes Thema – die gleichen alten Parolen.
Ansonsten ist Umweltschutz für die Neonazis eng mit dem Naturschutz verbunden, es werden Initiativen für den Erhalt von einzelnen Tier- oder Pflanzenarten und oft kurzsichtige Projekte gestartet.
Interessant ist in diesem Zusammenhang das Engagement der niedersächsischen NPD für den Turmfalken. So schreibt sie, dass er durch das „Fehlen von Hecken“ immer mehr seines Lebensraumes verliert, allerdings heißt der Turmfalke nicht umsonst Turmfalke – und nicht Heckenfalke.
Manche Neonazis setzen auf alte germanische Kulte und Bräuche, um sich wieder mit der Natur zu verbinden. Hier sei besonders die „Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ)“ hervorgehoben, die in den letzten Jahren unter Ausschluss der Öffentlichkeit Zeltlager veranstaltet hat. Dort sollen Natur und „Kameradschaft“ für den Neonazinachwuchs erlebbar gemacht werden. Nicht nur äußerlich erinnert die HDJ an die Hitlerjugend, sogar die Zelte tragen geschichtsträchtige Namen wie „Führerbunker“. In der HDJ werden Kinder im Sinne der Neonazis erzogen, sie wachsen also in frühesten Jahren mit einer menschenverachtenden Ideologie auf.
Rechtsextreme versuchen durch eine geschickte Themenwahl, wie die Ablehnung von Atomkraftwerken und den Ausbau der erneuerbaren Energien, von ihren eigentlichen Zielen abzulenken und sich so einen ökologischen, bürgerInnennahen und sozialen Anstrich zu geben.
So etwas dürfen wir nicht hinnehmen! Ökologie von Rechts fördert keinen Natur- und Umweltschutz sondern fungiert als Deckmantel für faschistische Parolen.
Deshalb, seid wachsam und unterstützt die antifaschistischen Strukturen vor Ort! Informiert euch, klärt MitschülerInnen auf und akzeptiert keine neonazistischen Äußerungen an eurer Schule und auch sonst nirgendwo.

Von Vito und Fred
Grüne Jugend Berlin

Der Artikel ist erschienen im Platzverweis – eine gemeinsame SchülerInnenzeitung der Grünen Jugend Berlin und Jusos Berlin, die kostenlos an Berliner Schulen verteilt wird.

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