Termine:
  •       Neuentreffen im September am 06. September 2010, 17:30 Uhr: Bei gemütlicher Atmosphäre bieten wir so, bis zum Aktiventreffen um 19 Uhr, die Möglichkeit Fragen zu stellen und etwas über die Strukturen und Inhalte der Grünen Jugend Berlin zu erfahren.
          Aktiven Treffen heute mit dem Thema Datenschutz am 06. September 2010, 19:00 Uhr: Liebe Aktive, beim heutigen AT haben wir als Referenten Herrn Holzapfel Leiter des Bereichs Recht I des Landesdatenschutzbeauftragten zu Gast.

Das Eva-Prinzip

2. 10. 2009 >> Während Männer nach außen die rechte Szene dominieren und als Funktionäre weiterhin in Parteien wie der NPD (Nationaldemokratische Partei Deutschlands) an vorderster Front stehen, wächst die Bedeutung der Frauen im Hintergrund. Ihr Auftreten wandelt sich, doch die Ideologie bleibt. Die Mitgliederzahlen rechtsextremer Frauennetzwerke wachsen beängstigend schnell. Ein Artikel von Meike Berg und Vicky Rappold

Anfangs gerieten viele als ‚Freundin’ eines Nazis in das rechtsextreme Umfeld und verließen die Szene mit dem Ende der Beziehung meist auch wieder. Um Frauen langfristig an die Parteien zu binden werden inzwischen verstärkt Netzwerke gegründet, die das Rollenbewusstsein stärken und Identifikation mit faschistischem Gedankengut fördern sollen. So entstand 2006 als Unterorganisationen der NPD der „Ring Nationaler Frauen“ (RNF), welcher inzwischen auch mit Regionalgruppen in Berlin vertreten ist. Sie vereinen die schon längst nicht mehr nur dem Stereotyp des „Skingirls“ entsprechenden Frauen. Eine Hauptaufgabe liegt in der Werbung weiblicher Neumitglieder, die glauben im RNF Zugehörigkeitsgefühl, Unterstützung und Bestätigung zu finden. Für faschistische Gruppierungen sind Frauen aus verschiedenen sozialen Schichten ein Gewinn, da sie in der Öffentlichkeit seltener als rechtsextrem eingestuft werden. Durch Engagement in ihrem sozialen Umfeld, zum Beispiel in Elternvertretungen, BürgerInneninitiativen und Kinderbetreuung, gewinnt rechtsextremes Gedankengut subtil Einzug in soziale Netzwerke und Einrichtungen. Auch für die NPD sind Frauen oft von Nutzen, es fällt ihnen durch ihr unauffälliges Erscheinungsbild leichter, Räume anzumieten oder Flugblätter an Ständen loszuwerden.

Auch eigene inhaltliche Arbeit findet im RNF statt, zum Beispiel in Form von Flugblättern, die gender mainstreaming beschreiben, als „gigantisches Umerziehungsprojekt, das Frauen und Männern ihre natürliche, angeborene Geschlechtsidentität aberziehen will“. Mit dem Slogan „Ungleiches gleich zu behandeln ist unfair“ wird Emanzipation als verantwortungslose ‚Gleichmacherei’ diffamiert, die Frauen in der Gesellschaft eher schadet und sie ihren angeblich natürlichen Rollen entreißt. Die Autorin Eva Hermann wird deshalb vom RNF gefeiert, denn Nationalistinnen ziehen ihre eignen Schlüsse aus dem ‚Eva-Prinzip’: Ihrer scheinbar angeborenen Rolle entsprechend, halten rechtsextreme Frauen „dem Mann den Rücken frei“ und wirken im Hintergrund.

Zusätzlich ist die Frau als Mutter bezeichnend für das rechtsextreme Rollenbild. Sie soll als eine Art Gebärmaschine den „Erhalt des deutschen Volkes“ sichern, also möglichst viele Kinder in die Welt setzen. Diesen Kindern ‚völkisches Denken’ zu vermitteln stellt das Lebensprojekt einer dem traditionellen Rollenverständnis entsprechenden Frau dar, sie ziehen die zukünftigen Funktionäre der rechten Parteien groß. Als Hilfestellung bei der Erziehung finden regelmäßig Jugendcamps in ganz Deutschland statt, in denen Kinder nach völkischen Werten uniformiert und erzogen werden. Erst im Juli 2008 wurde ein Camp der HDJ (Heimattreue Deutsche Jugend) in Mecklenburg-Vorpommern von der Polizei aufgelöst, als bekannt wurde, dass Hakenkreuze und nationalsozialistisches Material unter den Kindern verbreitet wurden.

Nach eigenen Angaben steigt der Frauenanteil bei der NPD rasant, angeblich liegt er bei 50 Prozent der Neumitglieder. Darüber hinaus vernetzen sich Frauen in immer mehr Organisationen wie der GDF (Gemeinschaft Deutscher Frauen) oder Jeanne D. („Selbsthilfegruppe für politisch verfolgte Frauen“), die helfen sollen das Image rechter Parteien zu verbessern. Frauen aktiv einzubinden in die Arbeit der rechtsextremen Szene ist also kein Akt der Emanzipation oder gar der Gleichberechtigung. Es ist eine Strategie und somit ein weiterer Versuch der Neonazis ihre Parteien und ihr Gedankengut in der Gesellschaft zu etablieren.

Von Meike Berg und Vicky Rappold
Grüne Jugend Berlin

Der Artikel ist erschienen im Platzverweis – eine gemeinsame SchülerInnenzeitung der Grünen Jugend Berlin und Jusos Berlin, die kostenlos an Berliner Schulen verteilt wird.

Schreibe deinen Kommentar!